Oder du hast geschlafen und weißt nicht mehr warum.
Du hast aufgehört zu zählen, wie oft du aufgestanden bist.
Du hast eine Liste gemacht. Dann noch eine.
Irgendwo liegt ein Zettel, den du nicht mehr anfassen willst.
Das kenne ich.
Ich saß auf dem Küchenboden.
Es war 2:53 Uhr.
Um mich herum: neun Medikamentenpackungen, vierzehn Seiten Arztbericht, zwei Behördenschreiben.
Und ich. Allein.
Mit dem Gedanken, den ich nicht laut aussprechen wollte:
Ich kann das nicht.
Dieser Ort ist nicht für das System.
Nicht für die Anträge. Nicht für den nächsten Termin.
Dieser Ort ist nur für dich.
Nicht für Mama. Für dich. Was du brauchst, wenn du nicht mehr kannst.
Drucken. Ausfüllen. Hinlegen.
Drei Minuten. Einmal pro Woche. Nicht um dich zu erschrecken.
Um zu wissen, wo du stehst.
Entlastungsleistungen. Tagespflege. Haushaltshilfe. Eine Stunde Pause.
Du hast Anspruch darauf. Die meisten wissen das nicht.
In den nächsten Tagen beginne ich eine psychosomatische Kur.
Ich habe Verhinderungspflege beantragt — Mama ist in guten Händen.
Das ist keine Flucht. Das ist das Einzige, was ich noch tun kann.
Auch ich brauche das System, das ich beschrieben habe.
Auch ich vergesse es manchmal.
Kein Notizbuch.
Kein Telefon.
Setz dich hin. Atme.
Das reicht.
Wenn es zu viel wird — ruf an.
Kein Erklären.
Kein Stark-klingen.
Nur anrufen.
Du bist nicht allein mit der Last.
Du darfst sie manchmal ablegen.
Die Inhalte ersetzen keine medizinische oder psychiatrische Fachberatung. Bei akuten Krisen wende dich an die Telefonseelsorge oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117). Alle Leistungsbeträge gelten für Deutschland, Stand 01.01.2026. Autor: Ique Novel (Pseudonym) · Berlin, 2026 · Selbstverlag · novelique.de