Ich dachte, ich pflege meine Mutter.
Dabei war ich schon mittendrin.
Es war 3 Uhr nachts.
Ich saß auf dem Boden. Nicht auf dem Stuhl.
Auf dem kalten Küchenboden.
Neun Medikamentenpackungen vor mir.
Vierzehn Seiten Epikrise.
Drei Arztbriefe, die ich zum vierten Mal las.
Und immer noch nicht verstand.
Meine Mutter schlief im Nebenzimmer.
Ich hörte ihren Atem durch die dünne Wand.
Ruhig. Gleichmäßig.
Sie schlief.
Ich nicht.
In diesem Moment dachte ich es.
Ich bin kein Arzt.
Kein Pflegefachmann.
Kein Held.
Ich bin ein Mann Ende der Fünfziger.
Und ihr Sohn.
Das ist alles, was ich habe.
Es musste reichen.
Meine Mutter ist Frau Novel.
Portugiesische Migrantin.
Berlinerin seit Jahrzehnten.
Ruhig. Würdevoll.
Ohne zu klagen.
[…]
In dieser Nacht auf dem Küchenboden entstand KAPSEL.
Nicht als Konzept.
Als Notlösung eines erschöpften Sohnes.
Um 3 Uhr nachts.
Sechs Wörter auf einer leeren Seite.
Und die Frage, die ich mir jeden Tag stellte:
Wird es wieder normal?
Hätte ich sie halten können?
Ich stand direkt hinter ihr.
Es ging zu schnell.
Sie ist gefallen.
Die Frage bleibt. Bis heute.
🐌 devagar.
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20 Kapitel. 17 Vorlagen. Alles, was ich gelernt habe — damit du es nicht so lernen musst wie ich.
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